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Verbannung tut weh - auch im Cyperspace

Wie im richtigen Leben, so auch im anonymen Internet: Menschen wollen beachtet werden ...

Wie im richtigen Leben, so auch im anonymen Internet: Menschen wollen beachtet werden.

Die Verbannung aus der Gruppe ist eine häufige Strafmaßnahme: Schimpansen praktizieren sie ebenso wie Angehörige von Naturvölkern, sie kommt an Militärakademien und Universitäten zum Einsatz und auch m Firmen und religiösen Gruppen. Kleme Kinder setzen so Altersgenossen unter Druck, Jugendliche und Paare benutzen sie als Kampfmittel.
Die Taktik funktioniert -sogar im anonymen Cyberspace, wie der Wissenschaftler Kipling Williams und seine Kollegen von der Universität von New South Wales im australischen Sydney zeigen konnten (Journal Personality and Social Psychology, 11/2000).

Am ersten Experiment von Williams beteiligten sich fast 1500 Internetsurfer. Jeder Teilnehmer bekam scheinbar zwei Mitspieler zugewiesen, die irgendwo in der Welt an ihren eigenen Bildschirmen saßen. Nun galt es, sich gegenseitig eine vorgestellte Frisbeescheibe zuzuspielen. Scheinbar konnte jeder Teilnehmer per Mausklick an seinem Computer bestimmen, wen er anspielen wollte, was die beiden anderen Mitspieler dann angezeigt bekamen. In Wirklichkeit nahm jede Versuchsperson ganz allein an dem Experiment teil, die vorgeblichen Partner wurden vom Computer der Psychologen simuliert. Und der bestimmte auch, wie oft die reale Versuchsperson die imaginäre Frisbeescheibe zugespielt bekam.
Ein Teil der Versuchspersonen wurde vom Computer in die virtuelle Verbannung geschickt. Sie erhielten die Scheibe nur einmal zu Beginn und dann nie wieder. Anschließend konnten sie nur noch zusehen, wie sich die vorgeblichen anderen Teilnehmer gegenseitig anspielten.

Die Ausgeschlossenen litten erheblich, wie der Vergleich mit anderen Versuchspersonen ergab, die der Computer netterweise hatte mitspielen lassen. Das zeigte sich nicht nur in den zum Schluss ausgefüllten Fragebögen, sondern auch in Kommentaren wie »Sie haben sich gegen mich verschworen« oder »Es ist genau wie in meinem wirklichen Leben. ..und das tut weh«.

Wer so frustriert ist, biedert sich oft an, um wieder in die menschliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden, wie ein zweites Experiment zeigte. Nach einem ähnlichen virtuellen Zuwerfspiel sahen die Teilnehmer beispielsweise ein Dreieck und sollten angeben, in welcher von sechs folgendenkomplizierteren Figuren es enthalten war. Die Aufgabe war so leicht, dass dabei normalerweise niemand einen Fehler machen konnte. Doch im Experiment mussten die Teilnehmer ihre Urteile als letztes Mitglied einer angeblich gerade über das Internet gebildeten sechsköpfigen Gruppe abgeben.

Wiederum wurden alle Mitspieler des jeweils einzigen echten Teilnehmers vom Computer simuliert und lieferten in der entscheidenden Versuchsbedingung sämtlich die gleiche falsche Antwort. Gut die Hälfte der Teilnehmer schloss sich mindestens einmal dieser offensichtlich unrichtigen Lösung an, wenn sie beim vorherigen Wurfspiel geächtet worden waren. So groß war der Wunsch, wieder zu einer Gruppe zu gehören. Von denen, die nicht ausgeschlossen worden waren, gab nur -oder immerhin -ein Drittel dem Gruppendruck nach.

Sind die Internetnutzer, die bei dem Experiment mitmachten, repräsentativ für die Bevölkerung? Das lässt sich bei solchen Experimenten mit zufällig Herbeigesurften nicht völlig klären. Doch zumindest, so die Forscher, boten die Gruppen »eine weit größere Vielfalt hinsichtlich Alter, Beruf und Heimatland, als wir sie normalerweise bekommen, wenn wir die Teilnehmer unter unseren Psychologiestudenten rekrutieren«.

Selbst wenn der Versuch doch besonders sensible Surfer angelockt haben sollte, war andererseits der Druck extrem gering. »Es ist schon verblüffend, dass sich unsere Teilnehmer verbannt fühlten«, staunen Williams und seine Kollegen, »obwohl sie die, virtuellen anderen nicht kannten, nicht sahen, nicht mit ihnen kommunizieren konnten und ihnen zukünftig nie wieder begegnen würden.«

In den zahlreichen Chatrooms, in denen Teilnehmer oft regelmäßig über sehr persönliche Themen diskutieren, dürfte virtuelles Ignorieren noch sehr viel dramatischere Folgen haben.

[aus: Psychologie heute August 2001]

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